Reise nach Italien
Tag 1+2: Kiel - Verona - Gajole
Tag 3: Am Lago di Corlo
Tag 4: Arsiè - Camp Valle Verde
Tag 5: Bozen - Meran
Tag 6: Meran - Stelvio - Gaviapass
Tag 7: Edolo - Zambla Alta
Tag 8: Zambla - Lago di Lugano
Tag 9: Lago Maggiore
Tag 10: Markt in Cannobio
Tag 11: L. Maggiore, Lugano, Como
Platzhalter Motorradreise Italien
Platzhalter Motorradtour Italien
Platzhalter Autozug Verona
Platzhalter Platzhalter Motorradreise Italien
Platzhalter Motorradtour Italien
Platzhalter Verbotsschild
Platzhalter Jesus Kreuzigung
Platzhalter Busticket
Platzhalter Trattoria Spiazzi
Platzhalter Trattoria
Platzhalter Ferrara Italien
Platzhalter


Auf nach Italien!

Noch hundert Tage bis Weihnachten. Draußen peitscht Herbststurm Sebastian den Regen mit 140 km/h gegen die Fenster. Im Wohn­zimmer, dem einzigen Raum meiner kleinen Wohnung, wenn man das Klo nicht mitrechnet, lege ich sorgfältig mein Zelt zusammen. Ich bin in trüber Stimmung. Die Vorfreude ist nie geringer, als in den Tagen vor der Abreise. Das ist eine merkwürdige Macke von mir. Eine von vielen, aber diese fällt mir selbst auf. Nicht einmal Pieps Fröhlichkeit kann mich heute aufheitern.

Motorrad in der Tiefgarage

Heute Nacht schlafen Pieps und ich im Autozug von Hamburg nach Verona. Das wird unsere längste Zugreise bisher. Ob ich die Italiener mögen werde? Keine Ahnung, in Italien war ich noch nicht, aber ich möchte ein letztes Mal Sonne tanken, bevor die endlos lange, dunkle Jahreszeit beginnt und ich wieder für Monate in meinem Ohrensessel und vorm Computer verschwinde.

Es ist Mitte September. In Hamburg ist es kühl, als ich am Verladebahnhof in Altona ankomme. Ich trage das hübsche Buff, das Funny mir geschenkt hat. Der anschmieg­same Schlauchschal soll auf dieser Reise noch eine wichtige Rolle spielen, aber das kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.

Nichts hebt die Laune so, wie gegrilltes Fleisch. Eigentlich esse ich keinen Döner, aber das Fleisch aus dem kurdischen Restaurant gegenüber vom Bahnhof Altona ist absolut Premium. Besonders lecker ist die Dönerbox mit Kalbfleisch, Pommes Frites, Reis und Salat. Energisch stiefele ich hinüber auf die andere Straßenseite, um eine Portion für Pieps und mich zu holen.

"Eine Dönerbox bitte. Nur Kalb, Reis und Salat. Keine Pommes."
"Ok, Madame, geht klar."
"Oder doch auch kein Reis, bitte."
"Ok, Madame." *lacht*
"Oder doch auch kein Salat, bitte." *guckt irritiert* "Das kostet aber ein bisschen mehr."
"Das ist ok. Ich möchte nur Kalbfleisch."
"Gar nichts dazu, Madame?"
"Doch, eine von diesen weißen Plastikgabel, bitte." *zeigt auf die Schale mit dem Besteck.*

Zufrieden stehe ich zwischen den Motorrädern an der Zufahrt zum Autozug und mampfe das wunderbare Kalbfleisch in mich hinein. Wenn Döner immer so lecker wäre, würde ich den häufiger essen.

"Wo ist denn Pieps?", fragt mich ein Biker.
"Na hier", antworte ich überrascht.
"Ich bin mit GS und Klapphelm unterwegs, aber ohne Gewürzbord", sagt der sympathische Biker, der sich später als Thomas vorstellt.

Thomas ist mit seiner Frau und einem weiteren GS-Pärchen unterwegs nach Verona. Das mag ich am Reisen mit dem Autozug: Man lernt die nettesten Menschen kennen, ob Motorradfahrer, oder Zivilisten.

Motorrad Autozug Hamburg Altona Verladung

Die Verladung ist beinahe schon Routine, aber das niedrige Deck im Untergeschoss überrascht mich jedesmal wieder. Stehhöhe ist das nur für Greeny und Pieps.

Autozug

Das zweitgrößte Abenteuer nach der Fahrt durch den langen Zug von Waggon zu Waggon ist das Absteigen. Wie steigt man von einer hoch­beinigen Enduro, wenn man sich dabei nicht aufrichten kann? Ich entwickele eine neue Technik und ziehe mich mit den Armen aus dem Sattel, während ich mich am Wagendach festhalte. Es funktioniert, aber wie soll ich das bloß hinkriegen, wenn ich neunzig bin?

Das Schlafzimmer teilen Pieps und ich mit Peter, dessen Honda NC750x im Autozug neben Greeny steht, und mit Gerd und Annette, einem sehr charmanten Pärchen, die mit ihrem Auto auf dem Zug unterwegs nach Elba sind.

Der Autozug nach Verona bietet eine Besonderheit: Es gibt einen klassischen Speise­wagen ganz im Stil des alten Orient-Express. Einen wunderaren Plüschkarton mit roten Samt­vor­hängen, bequem gepolsterten Sitzen und weißer Tischwäsche. Schon bei der Online­buchung lassen sich ein Dreigänge Abendessen und das große Schlemmer­frühstück für den nächsten Morgen buchen. Natürlich habe ich am Computer sämtliche Häkchen gesetzt, die sich nur anklicken lassen.

Autozug Speisewagen

Gegen Abend schnappe ich Pieps, mein Tagebuch und etwas Geld und mache mich auf in den Speisewagen. Der Tisch ist für 19 Uhr gebucht. Vor dem Essen bestelle ich ein Glas Rotwein. Er schmeckt mir ausgezeichnet, der Service ist prima und die Ober sind von ausgesuchter Höflichkeit. Während ich in meinem T-Shirt "Yes, we camp" und dem Halstuch vor dem blütenweißen Tischtuch sitze, komme ich mir vor, wie Gräfin Mariza persönlich.

Autozug Speisewagen

Dem Koch gelingt es aus seiner winzigen, schwankenden Kombüse, eingezwängt zwischen Töpfen und Pfannen, sämtliche Essen heiß und pünktlich auf den Weg zu bringen. Ein wahrer Zauberer der Bordküche. Es beginnt mit einem appetitlich angerichteten Salatteller, der famos aussieht, den ich aber wegen einer Vitamin­allergie leider verschenken muss, dann Kassler mit Püree und Kraut und als dritten Gang ein verführerisches Tiramisu. Das Essen und der Wein sind weit besser, als ich es bei der Buchung erwartet hatte.

Platzhalter

Dieses wunderbare Gefühl, Urlaub zu haben, im Autozug zu sitzen, ein Glas Rotwein vor sich und nichts weiter tun zu müssen, als sich an sein Ziel fahren zu lassen, wo man ausgeruht und mit frischen Reifen in den Urlaub startet. Ich liebe es.

Es ist schon spät, als ich den schmalen Gang hinunter zu meinem Abteil wanke. Ist das der Zug, oder der Rotwein? Spielt keine Rolle, denn hinter dieser Tür wartet mein Bett auf mich. Gute Nacht, Welt. Wir sehen uns in Italien.

Motorrad in der Tiefgarage





Am nächsten Morgen...

Ganz allmählich dringt das Schauklen des Zuges zurück in meinen Kopf. Den einen Moment träume ich es noch und im nächsten höre ich das Rattern und Ächzen des Waggons wieder mit eigenen Ohren. Ich drehe mich auf den Rücken, mache mich ganz lang und strecke die Beine bis es wehtut. Ich bin wach. Thomas im Bett über mir atmet leise in sein Kissen und macht dabei kleine Geräusche. Er träumt.

Sieben Stunden Schlaf der Handelsklasse II, aber doch tausendmal besser, als tagelanger Stress auf der Autobahn. Leise und ein wenig zerknittert schleiche ich aus dem Abteil. Meine drei Mitreisenden schlummern selig weiter.

Keine Ahnung, ob frühe Vögel tatsächlich mehr Würmer fangen, aber eines weiß ich sicher: Sie bekommen das menschenwürdige Klo und einen sauberen Waschraum. Zweihundert Durchgänge weiter sieht die Welt schon anders aus. Ganz anders.

Frisch gewaschen und bester Laune schlendere ich in den Speisewagen. Unser Platz ist reserviert. Alle anderen können bloß hoffen, einen Platz zu ergattern. Gnädig winke ich einen unbekannten Biker an unseren Tisch. Er sieht nett aus und ich habe Lust mich zu unterhalten. Pieps dagegen spekuliert bloß auf seine Kirschmarmelade.

Das Frühstück wird gerade aufgetragen, als auf einem Bahnsteig ein Schild BRENNERO an uns vorbeihuscht. Kurz darauf fahren wir in den Tunnel ein. Draußen rasen schwarze Tunnel­wände vorbei. Im Waggon gedämpftes Licht, weiße Tischwäsche, Geschirr­klappern und leise Unterhaltung. Eine Hommage an den Orient-Express.

Motorrad in der Tiefgarage

Das Frühstück ist hübsch angerichtet. Es gibt frisch aufgebackene Brötchen, Aufschnitt und Käse, Obst, Orangensaft, Kaffee und ein perfektes Rührei dazu. Pieps ist stinkig, als sie nach dem ersten Bissen herausfindet, dass "Körschtomaten" nichts mit Kirschen zu tun haben. Sie hasst Tomaten.

Motorrad in der Tiefgarage

Eine Stunde später halten wir im Bahnhof von Bozen. Bolzano steht auf dem Schild vorm Fenster. Der erste italienische Ort meiner Reise. Draußen dämmert ein trüber Morgen. Zwei Bahner in schlecht sitzenden Uniformen sehen angestrengt in eine Richtung, ohne dass ich erkennen kann, was da ist. Ein heller Pfiff, ein Ruck und der Zug fährt wieder an.

Nächster Halt Verona. Quietschend kommt der Zug zum Stehen. "Tutti scendono!", alles aussteigen! Endstation. Türen schlagen, Rollkoffer quietschen, Menschen drängen sich in den Gängen. Ich schnappe mir Pieps, den Tankrucksack, meinen Helm und steige aus.

Motorrad in der Tiefgarage

Wie es hier wohl sein mag? Die Menschen, die Landschaft, die Zeltplätze, das Essen? Ich bin so gespannt auf Italien.

Eine Stunde später habe ich mich durch den dichten Verkehr in Verona gekämpft und fahre aus der Stadt hinaus in die Berge. Es sind nasskalte fünfzehn Grad und es sieht nach Regen aus. Auf jeden Fall hatte ich mir Italien wärmer vorgestellt.

Motorrad in der Tiefgarage

Die Straße steigt aus der Po-Ebene zum Monte Baldo hin an. Bei 550 Metern Höhe, stecke ich den Kopf in die Wolken.

Motorrad in der Tiefgarage

Um die Mittagszeit erreiche ich den kleinen Ort Spiazzi am Monte Baldo. Normalerweise würde ich einfach hindurch düsen, ohne links und rechts zu gucken, aber Spiazzi ist ein Wallfahrtsort und hat eine Besonderheit zu bieten, die Felsenkirche Madonna della Corona.

Motorrad in der Tiefgarage

Ich stelle das Motorrad auf dem Parkplatz für Pilger ab und mache mich auf den Weg zur Kirche. Claudia hat mir ein Kopftuch mitgegeben, das sie sorgfältig in eine Tasche meiner Endurojacke gelegt hat. Damit will ich meine Haare verhüllen, wenn ich hineingehe.

Motorrad in der Tiefgarage

Die Kirche liegt unterhalb von Spiazzi und der Weg hinunter führt an fünfzehn Stationen mit lebensgroßen Bronzefiguren vorbei, die das Leben Christi zeigen.

Motorrad in der Tiefgarage

Schon bevor ich die Felsenkirche zu Gesicht bekomme, höre ich Glocken­läuten und fremde Gesänge, die von der Felswand gegenüber zurückge­worfen werden. Sie klingen so entrückt, dass mir ganz weich wird in den Knien.

Wie ein Legostein ist die Wallfahrtskirche Madonna della Corona in die senkrechte Felswand gedrückt. Die Glocken verstummen und der Priester beginnt zu sprechen. Hell und klar schallt sein Gebet in einer merkwürdig getragenen Stimme von den Felswänden zurück.

Motorrad in der Tiefgarage

Nein, da gehe ich nicht hin. Das gehört sich nicht. Das ist eine heilige Messe und für mich ist es bloß ein Fotomotiv. Ich bleibe hier stehen und lasse die in Ruhe ihre Sache machen. Wir können ja zuhören.

In diesem Moment kommt ein Bus den schmalen Fußweg herunter. Ein ausgewachsener Bus, nur kürzer. Ich presse mich an die Felswand und lasse ihn vorbei. Der Fahrer lacht freundlich und fährt weiter bis zu einer kleinen Bushaltestelle am Ende des Weges. Dort wendet er und wartet.

Das ist die Gelegenheit, denke ich. Lieber gefahren werden, als den ganzen Berg wieder hochlatschen zu müssen. Wir sind keine Pilger, wir dürfen das, Pieps und ich. Der Bus füllt sich im Nu mit Menschen, die auch keine Pilger sind, und heizt los. Der Weg ist kaum breit genug für das große Fahrzeug, aber der Fahrer hat den Bogen raus. Der Bus hat eine irre Maschine, denn er katapultiert uns mit gewaltigem Schub nach oben. Nur in den Kurven müssen wir kurz zurücksetzen, damit wir rumkommen.

Motorrad in der Tiefgarage

Oben auf dem Pilgerparkplatz ist die Fahrt zu Ende. Ich zeige dem Fahrer einen Daumen hoch. Toller Ritt. Er grinst breit zurück.

Währenddessen ist es in Spiazzi noch nebliger geworden. Wie ein nasser Lappen liegt der Nebel auf dem Ort. Ich gehe in die nächstgelegene Trattoria. Was ist das eigentlich, eine Trattoria? Gelesen habe ich das Wort schon häufiger, doch eigentlich habe ich keine Ahnung, was das ist.

Eine Trattoria (Betonung auf dem i) ist eine Bezeichnung für eine Gaststättenart. In den kleinen italienischen Speiselokalen werden einfache Speisen zubereitet und angeboten. Die Atmosphäre ist familiär und unterscheidet sich somit von der eines Restaurants.
Platzhalter
Quelle: Wikipedia

Ein Kellner hält mich auf halbem Weg zu einem freien Tisch auf. Von zuhause bin ich es gewohnt, mir selbst einen Platz zu suchen, aber hier ist das anders. Mit sauertöpfischer Miene führt er mich an einen Tisch. Den hätte ich auch selber gefunden, aber es ist ok.

Motorrad in der Tiefgarage

Ich studiere die Speisekarte und bestelle uns eine Lasagne. Für Pieps gibt es dazu eine heiße Schokolade. Pilgern macht hungrig.

Der Kakao ist dickflüssig und extrem süß. Für mich ungenießbar, aber Pieps liebt das Zeug, das eher an heißen Pudding erinnert. Die Lasagne dagegen ist ganz vorzüglich, auch wenn die Portion winzig ist. Genau deshalb gehe ich in Deutschland nie zum Italiener: Da werde ich nicht satt.

Motorrad in der Tiefgarage

Auf der Rechnung taucht eine Position auf, die ich nicht bestellt habe: "COPERTO BESTECK, EUR 1,50." Kupferbesteck? Nein, das ist ganz normales. Vielleicht, weil ich den gesamten Streukäse aus dem Töpfchen gelöffelt habe und das jetzt leer ist? Oder wegen der Sache mit Pieps, dem Kakao und der Tisch­decke? Nein, da habe ich den Brotkorb darüber gestellt, das kann keiner sehen. Also was ist das? Die einsfünfzig sind mir egal, ich will es nur verstehen.

Die Erklärung finde ich Monate später auf einer Website über Italien unter dem Titel: Il coperto, oder: Wie man die Speisen verteuern kann, ohne dass der Gast es merkt...

Motorrad in der Tiefgarage

Hinter Spiazzi geht es höher in die Berge. Der Monte Baldo ist von dichten Wolken eingehüllt und mir wird kalt. Ich halte am Straßenrand und tausche die Motocross Handschuhe gegen meine neuen Rukka Cosmo, die ich erst vor ein paar Tagen aus der Packstation geholt habe.

Motorrad in der Tiefgarage

Die Handschuhe sind noch etwas steif, aber schön warm und innen ganz kuschelig. Die habe ich schon für Island gekauft und um ein Haar hätte ich sie nicht einmal mitgenommen, weil ich dachte, dass Italien im September viel zu warm dafür ist. Ist es aber nicht.

Motorrad in der Tiefgarage

Italien soll aber nicht nur eine Testreise für die neuen Handschuhe sein, sondern auch für die neuen Reifen: Continental TKC80. Manchmal rutscht der Hinterreifen in den nassen Brems-Serpentinen bergab ein Stückchen weg, aber er lässt sich wieder einfangen. Trotzdem macht mein kleines Herz jedesmal einen Satz, wenn das geschieht.

Ganz unvermittelt zeigt der Track auf dem Navi rechts einen steinigen Weg hinunter. Spinnen die bei Garmin, oder habe ich wieder einmal vergessen das Profil auf Reiseenduro zurückzu­setzen? Mein handgestricktes Routingprofil Crazy MX-Girl hat mich schon auf der Reise nach Masuren einige Nerven gekostet. Und einen Umfaller.

Motorrad in der Tiefgarage

Der Weg ist keine zwei Kilometer lang, bis ich zurück auf der Serpentinenstrecke bin. Ich habe nur eine Schleife abgekürzt, auch wenn ich auf Asphalt sicher schneller gewesen wäre. Eindeutig das falsche Routingprofil, aber es macht Spaß. Ich lass das erstmal so.

Manche Straßen sind so schmal, dass ich nach einem Verbotsschild schaue, weil man dort unmöglich legal reinfahren darf, aber im selben Moment fährt ein Auto rein und von vorne kommt ein Bus. Die spinnen, die Italiener.

Motorrad in der Tiefgarage

Als ich den Monte Baldo auf der anderen Seite wieder hinunterfahre, scheint dort die Sonne. Im Tal liegt Rovereto, die größte Stadt für heute, bevor ich das Camp erreiche. Hier werde ich einkaufen.

Ich stelle das Motorrad in der Innenstadt vor einem Supermarkt ab. Vor einem der Eingänge stehen drei Nordafrikaner und betteln. Flüchtlinge. Ich nehme den anderen Eingang. Es fühlt sich nicht gut an, das voll beladene Motorrad allein stehen zu lassen. Ich habe für 2k EUR Fotosachen im Tankrucksack, aber die will ich nicht jedesmal mit reinschleppen. Eiliger als sonst stiefele ich den Gang hinunter zu den Lebensmittel.

Fisch sieht klasse aus, aber das ist mir zu aufwendig. Heute will ich Fleisch braten. Die Auswahl ist trübe. Abgepacktes aus der Großschlachterei. Nicht, was ich erwartet hatte. Ich spreche einen Verkäufer an und frage nach Entrecôte. Er verschwindet und präsentiert mir kurz darauf überschwänglich ein Beefsteak, das schon in der Verpackung zäh wirkt.

Motorrad in der Tiefgarage

In der Halal-Abteilung werde ich fündig. Hier liegen die guten Sachen. Ich kaufe Lammspieße zum Abendessen und weil morgen Sonntag ist und ich nicht weiß, ob die Läden offen sein werden, außerdem ein fettes T-Bonesteak von der Größe eines Lokusdeckels.

Ich bin froh, als ich aus Rovereto raus bin. Städte sind einfach nicht mein Ding. Jetzt möchte ich bald Feierabend machen und mein Zelt aufstellen.

Tankstelle Italien

Camping Gajole ist das erste Camp auf meiner Italienreise und angeblich "der ruhigste Campingplatz der Welt". Genau das will ich. Mich locken nicht die Sanitäranlagen, sondern die Ruhe. Schließlich bin ich nicht zum Duschen hier und wegen der Klos, sondern weil ich Erholung suche.

Morgen ist Sonntag und ich lege gleich zu Beginn einen Jokertag ein. Ich muss ausschlafen, mich erholen, lesen und schreiben, vielleicht ein paar Fotos machen, gut essen und Wein trinken. Die letzten Tage im Dienst waren echt beshiccen. Manchmal habe ich das Gefühl, die Welt reißt von der Leine.

Camping Gajole Italien

Das Camp wird von zwei Schwestern geführt und Der Empfang ist super freundlich. Mir geht das Herz auf. Genau das brauche ich jetzt.

Camping Gajole liegt am Lago Corlo, einem Stausee mit hohen Ufern, aber den sehe ich mir morgen in Ruhe an. Jetzt möchte ich unser Lager errichten und für Pieps und mich ein leckeres Abendessen machen.

Motorrad in der Tiefgarage

Ich stelle das Zelt auf und richte es so ein, wie es immer ist: Die Isomatte, darauf der Schlafsack und das Kopfkissen mit dem flauschigen Engelchen-Bezug, darauf das Snoopy Nachthemd und nebenan der Tankrucksack mit der Tischdecke, die Claudia mir genäht hat.

Jedes Ding hat seinen festen Platz. Das gibt mir Sicherheit und Geborgenheit. Hier drinnen, bei Svenja und Pieps zuhause, ist immer alles in bester Ordnung, egal was draußen ist.

Ich entkorke den Rotwein und schenke den Becher voll: "Auf einen schönen Urlaub." Pieps bewacht die Lammspieße in der Pfanne und ist schon ganz aufgeregt, wie Kinder das im Urlaub immer sind. Erst recht, wenn es noch etwas Besonderes gibt, wie Minischaschliks.

Motorrad in der Tiefgarage

Schon um 20 Uhr liege ich im Schlafsack und mache die Augen zu. Es ist einer dieser perfekten Abende, die man nicht fotografieren und nur schwer beschreiben kann: Draußen ist es dunkel, kühle dreizehn Grad und ganz still, im Schlafsack warm und kuschelig. Irgendwo in der Ferne muht eine Kuh und im Wohnwagen nebenan unterhält sich im Flüsterton ein Paar. Urlaub. Endlich.

zum nächsten Tag...

zurück nach oben




Platzhalter
Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.