Schweden 2019
Tag 1 Kiel - Møns Klint, DK
Tag 2 Insel Møn
Tag 3 Møn - Sjöbo, SE
Tag 4 Sjöbo - Hätteboda
Tag 5 Hätteboda Vildmarkscamp
Tag 6 Urshult - Camp Fjället
Tag 7 Tidaholm - Mellerud
Tag 8 Håverud - Arvika
Tag 9 Zwischen Vänern und Vättern
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Platzhalter Motorradtour Schweden
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Insel Møn

Sechs Uhr morgens. Alles schläft. Bloß die Spatzen streiten schon lautstark um ein paar Krümel im Gras. Frech, wie eine gewisse Maus, bloß mit Federn. Leise schleiche ich mich aus dem Zelt. Ich muss ins Waschhaus und will auf dem Rückweg gleich unsere Brötchen abholen. Pieps liegt noch selig schlummernd auf ihrem Kissen.

Reise nach Dänemark und Schweden

Eine schöner Anblick, morgens früh auf dem Campingplatz. In allen Zelten ist noch Ruh. Die Menschen schlafen. Nur ich bin schon wach und sehe zu, wie das Camp allmählich erwacht. Eine Frau im rosa Pyjama eilt zum Waschhaus. Ein Mann mit Hund geht vorbei. Irgendwo ruft ein Kind. Wenn in zwei Stunden das Schwimmbad öffnet, ist es mit der Ruhe vorbei.

Reise nach Dänemark und Schweden

Die Sonnen­blumen im Garten vor der Rezeption blicken unermüdlich nach Osten, der Sonne entgegen. Vögel sitzen singend im Apfelbaum und nur der Dannebrog hängt schlapp von seinem Fahnenmast. Schon jetzt sind 21 °C. Alles sieht nach einem weiteren schönen Spätsommertag aus.

Reise nach Dänemark und Schweden

Der Laden macht erst in ein paar Minuten auf, aber es duftet schon nach frisch gebackenem Brot. Ich setze mich auf die Bank unterm Apfelbaum und warte. Eine Frau kommt angeradelt. Als sie merkt, dass der Laden noch geschlossen ist, stellt sie das Rad ab und setzt sie sich neben mich auf die Bank: "God morgen." "God morgen." Man spricht es Goh_morn. Sie hat auch einen der grünen Abholzettel für Brötchen in der Hand.

Reise nach Dänemark und Schweden

Kurz vor acht wird von innen die Ladentür aufgeschlossen. Wir dürfen rein. In der Vitrine steht eine kleine Armee von Brötchentüten bereit und wartet auf ihre Abholung. Jede mit einem grünen Zettel versehen. Unsere trägt die C63. Ich lege unseren Abschnitt hin und bekomme eine Tüte warmer Brötchen, zwei Mohn für mich und ein Sesam für Pieps.

Diese Stimmung, morgens im Nachthemd mit einer Tüte frischer Brötchen in der Hand über den Campingplatz zu wandern, ist unübertroffen. Das liebe ich fast mehr als alles andere am Campen.

Die Nachbarn schlafen noch, aber Pieps ist wach und wartet schon mit Ungeduld auf ihre "Brötschän". Jetzt koche ich erstmal Kaffee. Ich drehe das Gas auf und halte ein Feuerzeug daran. Fauchend erwacht der Kocher zum Leben.

Den Tankrucksack decke ich als unseren Frühstückstisch. Butter haben wir nicht, aber dafür einen Becher feinstes svinefedt, Schweineschmalz. Ein mehr als würdiger Ersatz. Die knusprigen Brötchen schmecken damit köstlich. Eine Prise Salz drauf und heißen Kaffee dazu.

Reise nach Dänemark und Schweden

Wir sitzen beide in unseren sehr entzückenden Snoopy-Nachthemden vorm Zelt und beißen in die knusprigen Schmalzbrötchen. Mit jedem Krümel, der ins Gras fällt, hüpfen die Spatzen näher heran.

Heute wollen wir uns die Insel ansehen. Nach dem letzten Bissen machen wir uns startklar. Ich stelle das Geschirr weg und tausche das Nachtzeug gegen die Motorradsachen. Nur noch den Tankrucksack aufschnallen und los gehts.

Der erste Ort ist Klintholm Havn. Hier hat Claudia als Kind ihre Ferien verbracht. Im Klintholm Søbad Hotel. Das war in den 1950er Jahren. Ich habe viele Geschichten über wunderbare Sommer in der Pension von Fru Petersen gehört.

Reise nach Dänemark und Schweden

Die Einfahrt zum Grundstück finde ich sofort. Ich biege in den Sandweg ein und tuckere hinunter zum Strand. Ein paar Surfertypen mit Wohnmobilen haben den Platz für sich entdeckt und dort, wo einst das Hotel gestanden hat, ist heute nur noch Sand. Allein der verwitterte weiße Holzzaun um das Grundstück ist übrig geblieben

Reise nach Dänemark und Schweden

Schon 60 Jahre bevor GoPro die erste Actioncam auf den Markt brachte, hat Claudia hier einen Film auf 8mm Schmalfilm gedreht. Die Kamera, eine Bauer 88b, hatte sie 1954 zur Konfirmation bekommen. Zuhause werde ich ein paar Aufnahmen aus dem alten Material als historische Gegenschüsse in den Reisebericht einbauen. Vor 65 Jahren waren Fischernetze noch nicht bunt und auch nicht aus Plastik.

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Ein bisschen wehmütig über den vergangenen Platz alter Tage setze ich mich wieder auf die Enduro und starte den Motor. Jetzt sehen wir uns noch den Hafen an, Klintholm Havn, er liegt gleich nebenan.

Es ist Sonntagmorgen. Der Hafen ist menschenleer. Nur an einem Kutter ist Leben. Ein Matrose macht ein hochmodernes Fangschiff klar zum Auslaufen. Noch leere Fischkisten werden verladen und die Außenhaut des Kutters mit Süßwasser abgespritzt.

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Das Schiff sieht aus, als könne es jedem Wetter trotzen. Der Matrose ist ein deutscher Seemann und von ihm erfahre ich, dass sie heute Nacht auslaufen und ein paar Tage weit draußen bleiben werden.

Mir fällt eine Szene aus Claudias Film ein, die sie vor 65 Jahren hier im Hafen gedreht hat. Darin sind Seeleute dabei, den Rumpf eines hölzernen Kutters zu pönen. Dieselbe Stelle, eine völlig andere Szenerie.

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Heute dagegen ist der Fischfang technisch, hochmodern mit Radar und FishHunter-Echolot, um die großen Schwärme aufzuspüren. Dennoch herrscht im Hafen noch immer eine beschauliche Stimmung. Große Netze liegen auf dem Kai zum Trocknen, Fischkisten stehen gestapelt daneben.

Reise nach Dänemark und Schweden

Ich fahre weiter. In Stege halte ich wieder bei SuperBrugsen und besorge uns etwas fürs Abendessen. Die Läden in Dänemark sind auch sonntags geöffnet. Nach wenigen Minuten verstaue ich Entrecôte und Bier im Tankrucksack und fahre weiter.

Reise nach Dänemark und Schweden

Am Mølleporten, einem von nur zwei erhaltenen Stadttoren in Dänemark, stelle ich das Motorrad ab und gehe mit der Kamera in der Hand auf Besichtigungstour.

Reise nach Dänemark und Schweden

Schmale Gassen, Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser, alte Mauern mit liebevoll gesetzten Pflanzen davor. Stege ist schön.

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Immer wieder fahren wir auf einem Stück der Margeritenroute. Das braune Schild mit der weißen Blume darauf ist unverkennbar. Nirgendwo ist Dänemark hyggeliger, gemütlicher und dänischer, als hier auf Møn.

Kurz hinter Elmelunde entdecke ich einen Imbisswagen. Er hat die Form einer umgekippten Coladose und sieht sehr amerikanisch aus. Ich halte an. Zeit zum Mittagessen.

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Pieps studiert die Fotos auf der Speisekarte mit einer Ernsthaftigkeit, die ihr sonst abgeht, und bestellt am Ende genau das, was sie immer bestellt: "Ein Schießbörga bitte. Mit doppelt Keese. Und Pommes!"

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Bevor wir zurück ins Camp fahren, haben wir noch eine letzte Besichtigung vor uns, den Schlosspark Liselund. Er liegt direkt an der Margeritenroute. Der Kammerherr Antoine de la Calmette liess den Park im Stil eines englischen Gartens mit dem reetgedeckten Lustschloss darin im Jahre 1792 für seine Frau Elisabeth Iselin errichten. Aus Liebe zu ihr nannte er ihn Lieslund.

Ich stelle die Honda auf dem Waldparkplatz ab und gehe in den Park. Es kostet keinen Eintritt, aber ich werfe zumindest zwei Euro verstohlen in eine Spenden­dose. Sie klingt verdächtig hohl.

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Das erste historische Gebäude ist die Schweizerhütte, ein Fach­werkhaus aus Eichenstämmen und weißem Kreidestein. Ein Stück weiter steht das eigentliche Schloss Lieselund, ein klassisches Herrenhaus mit Reetdach und Türmchen. Zu seinen Füßen ein Teich voll grüner Entengrütze.

Reise nach Dänemark und Schweden

Paare schlendern gut gekleidet die frisch geharkten Kieswege entlang und auf einer Decke sitzt eine Großfamilie beim Picknick.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz komme ich am neuen Schloss vorbei. Es wurde 1888 als das neue Hauptwohnhaus der Familie gebaut. Heute ist darin das Liselund Schloßhotel untergebracht, wobei die Zimmer nicht einmal allzu teuer sind.

Reise nach Dänemark und Schweden

Das wäre was: Pieps und ich im Schlosshotel. Tausend Möglichkeiten, sich daneben zu benehmen. Vermutlich hätten wir beide danach lebenslanges Hausverbot für Dänemark. Inklusive Grönland.

Zurück im Camp koche ich Kaffee und setze mich damit unter einen Baum mit Blick aufs Freibad. Im Becken tobt das Leben. Die Jugendlichen sind genauso laut, wie die im Grugabad in Essen, aber das Publikum ist ein völlig anderes. Ein ernster Blick des Bademeisters, ein Stirnrunzeln genügt, um jeden Rabauken hier zur Ordnung zu rufen. Weder braucht er seine Trillerpfeife, noch ein muskelbepacktes Security-Team: Er ist der Bademeister, er ist das Gesetz. Dänemark ist in vielem noch wie früher. Das liebe ich sehr.

Gegen Abend kommt Wind auf. Ich stelle die Gummi­stiefel als Windschutz hin und werfe den Kocher an. Es gibt Entrecôte. Was sonst?!

Reise nach Dänemark und Schweden

Bei SuperBrugsen habe ich zum Fleisch ein Döschen gestiftelten Rettich gekauft. Den hab ich in Österreich kennen­gelernt. Dort haben sie ihn zu kaltem Braten serviert. Ausgesprochen lecker!

"Vorsicht. Der ist schaaf, der Rettich."
"Pah. Das lass ma' meine Sorge sein", und nehme beherzt einen Löffel voll: "Boah. Hilfe. Ist der scharf. Du hättst ja auch mal was sagen können."
"Die spinn' die Östereier, näh?!" Pieps sieht dabei äußerst zufrieden aus.

Das war der wunderbarste, erholsamste, langweiligste und hyggeligste Ferien-Joker-Erholungstag, den man sich nur wünschen kann. Dänemark. Bei diesem Wetter will ich nirgends anders sein.

Morgen geht es weiter. Dann fahren wir über die Öresundbrücke nach Schweden. Wenn das Wetter so bleibt, komme ich mir in meinen Gummistiefeln allmählich blöd vor.

Möge ich mir die gesamte Reise über blöd vorkommen!


Und hier noch einmal die Zusammenfassung des Tages im Video.



Über ein ThumbsUp bei YouTube und ein Abo unseres Kanals würden wir uns sehr freuen, Pieps und ich :-)


zum nächsten Tag...

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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.