Reise nach Island
Tag 1: Kiel - Silkeborg
Tag 2: Silkeborg - Hirtshals
Tag 3: Hirtshals - Norröna
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Tag 2 - Durch Dänemark

Heute morgen bin ich unruhig wie ein Rennpferd vorm Start. Es soll jetzt endlich losgehen: Die Pisten, das Hochland, die Wüste Sprengisandur, Tiefsand und Flüsse. Noch halten sich Angst und Neugier die Waage, aber ich kenne mich: Spätestens auf dem Schiff wird die Angst verschwunden sein und einer merkwürdig über­drehten Begeisterung Platz machen. So war ich immer, ein typischer Vorher-Schisser.


Platzhalter Den Weg durch Dänemark habe ich diesmal bei kurviger.de geplant und als Track auf meinem Garmin Oregon gespeichert. Er führt durch Wälder und Felder, über Wirtschaftswege und Nebenstraßen. So wird aus der öden Anfahrt zur Fähre doch noch eine kleine Reise.

Dänemark

Wer von einer Motorradreise schöne Bilder mitbringen will, muss sich schon ein wenig Mühe geben. Immer wieder rausche ich an schönen Foto­motiven vorbei: "Oh, das sah aber schön aus, aber nun bin ich leider schon vorbei und heize mit Sachen weiter meinem Ziel entgegen".

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Stattdessen heißt es: "Ich bremse die Karre zusammen, drehe bei nächster Gelegenheit um, heize zurück, drehe erneut und stehe genau an der Stelle, von der es eben so schön ausgesehen hat."

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Nur um dann festzustellen, dass ein Lichtmast, oder eine Hoch­span­nungs­leitung das ganze Bild kaputt macht. Es gehört viel Stärke dazu, nicht auf den Auslöser zu drücken, wenn man sich zuvor soviel Mühe gemacht hat. Mir fehlt die. Ich drücke ab.

Dänemark kann unglaublich öde sein, aber dann auch wieder sehr idyllisch und malerisch schön. Die Reise nach Skagen vor zwei Jahren war eine der schönsten Herbstreisen.

Es sind dreißig Grad im Schatten. Der Asphalt glüht auf dem Parkplatz vorm Super Brugsen in Hadsund. Ich stelle die Enduro ab und beeile mich in den Laden zu kommen. Hoffentlich ist es in Island nicht so heiß, wenn ich das Motorrad durchs Hochland treibe.

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Ich schnappe mir einen Korb und sehe mich um. Super Brugsen ist wie EDEKA auf Speed: Noch feiner, noch mehr leckeres Zeug. Hierher kommt man nicht, weil man billig einkaufen will, sondern weil man etwas Leckeres sucht und das Besondere möchte. Der Preis kommt erst danach.

Heute Abend gibt es Entrecôte mit Sauce Béarnaise, meiner absolute Lieblingssauce. Ich nehme gleich die vorteilhafte Halbliter Flasche und versorge uns auf dem Weg zur Kasse großzügig mit Marzipan von Anthon Berg. Die Firma ist dänischer Hoflieferant und ihr Marzipan ist famos.

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Gegen Mittag endet die Straße an der kleinen Autofähre über den Limfjord. Das Schiff ist voll und will gerade ablegen, aber wir dürfen in letzter Sekunde noch mit an Bord.

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Der Kassierer geht von Wagen zu Wagen. Ein freundlicher Mann, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Für jeden hat er ein freundliches Wort. Ich zahle 30 Dänische Kronen für eine Person und ein Motorcykel. Pieps fährt wie immer schwarz.

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"God tur", gute Fahrt, wünscht er uns zum Abschied. "Tack så mycket", vielen Dank, rufe ich aus dem Helm. Ich weiß nicht, ob das überhaupt Dänisch ist oder doch Schwedisch, aber im Grunde macht das keinen Unterschied, weil ich weder das Eine noch das Andere kann.

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Dieser Reisetag könnte glatt als eigenes Fotoprojekt laufen: "Ein Sommer in Dänemark". So viele hübsche dänische Motive sind mir selten an einem Tag vor die Linse gelaufen. Für die Pølserbude drehe ich extra um, stelle mich auf und warte, bis Kundschaft kommt.

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Die letzten Kilometer zum Camp führen über einen Waldweg. Die Sonne malt helle Flecken auf den schattigen Boden. Es wird nicht ganz deutlich, ob ich hier fahren darf, aber andererseits habe ich auch nirgends das gefürchtete Schild mit der Aufschrift "Knallert forbudt" gesehen.

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Für die letzte Nacht vor der Fähre habe ich einen Platz möglichst dicht bei Hirtshals ausgesucht, aber auch nicht zu dicht, weil ich keine Lust auf Laut und Überfüllt habe.

Kjul Camping liegt 7 km entfernt vom Hafen. Ich stiefele in die Rezeption und sage meinen Satz auf: "Hello. I'd like to stay for camping. Just me, a small tent and a motorbike. Just for one night." Von Pieps kein Wort.

Ich bin nervös, weil ich Angst habe, morgen früh nicht rechtzeitig wegzu­kommen: "When does the Gate open tommorrow morning?"

Die Frau hinterm Tresen lächelt mich nachsichtig an: "Your first time?" Sie hat erkannt, wohin ich unterwegs bin. "You won't miss the ferry. There will be time enough tommorrow morning", beruhigt sie mich. Merkt man mir die Aufregung so deutlich an?

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Ich bezahle und darf mir meinen Platz selbst aussuchen. Kjul Camping ist vielleicht nicht so malerisch gelegen, wie der Platz gestern in Silkeborg, aber als Zeltplatz gefällt er mir besser. Die Stellplätze sind als Hecken Séparées von drei Seiten geschützt. Für ein kleines Zelt und ein Motorrad ist der Platz fürstlich bemessen.

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Gerade rolle ich die Isomatte aus, da höre ein anderes Motorrad. Ein paar Hecken weiter trialt ein Biker seine GS im Stehen langsam über den Platz. Der übt sicher für Island, denke ich. Cool, den sprech ich mal an.

Ich schnappe mir Pieps und gehe dahin, wo die BMW verschwunden ist. Zuerst kann ich sie nicht wiederfinden, aber dann entdecke ich neben einer Hütte zwei Motorräder, eine GS und eine V-Strom. Beide blitzblank und reisefertig. Daneben ein großer Mann mit Bart und einem freundlichen Gesicht, der das Gepäck der BMW überprüft.

Ich will gerade etwas sagen, aber er ist schneller:
"Aus Kiel?"
"Ja. Woher...?"
"Svendura?"
"Äh, ja!"
Und aus der Hütte eine weibliche Stimme: "Ist Pieps auch mit?"

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Ich bin völlig verdattert und so lerne ich Doris und Rolf kennen. Die Beiden haben meine Reise­berichte gelesen und wollen, wie Doris im Scherz sagt, alle Touren nachfahren. Ich könnte platzen vor Stolz. Trotzdem sollten sie Irland auslassen. Mehr Regen war nirgends.

Die Beiden fahren auch nach Island und so sind wir kurz darauf schon tief ins Gespräch verstrickt über Island, unsere Erwartungen, Hoffnungen, Ängste und Befürchtungen. Doris fährt noch nicht lange Enduro und ich staune über ihren Mut. Rolf dagegen kann es kaum abwarten, seine GS über die Piste zu schrubben.

Doris kocht Tee und stellt uns einen Teller Kekse hin. Eine gewisse Maus ist ganz hingerissen von ihrer neuen "Tante Doharies". Erst Recht als die verkündet, dass da, wo die Kekse herkommen, noch mehr sind.

Man braucht nur über den Campingplatz zu schlendern, um noch andere zu entdecken, die morgen mit uns auf der Fähre sein werden. Sandbleche, Kanister und Schaufeln sprechen eine deutliche Sprache. Auf dem Weg zum Zelt lerne ich auch Stefan aus Olpe kennen. Er ist mit einer betagten original Africa Twin unterwegs.

Gegen Abend baue ich unsere Küche auf. Ich schraube den Kocher auf die Gaskartusche, zünde die Flamme und lasse etwas Öl in die Pfanne laufen. Als ich die Entrecôtes auspacke, läuft etwas von dem Fleischsaft ins Zelt und kurz darauf stößt Pieps auch noch den Tsatsiki um. Im Zelt duftet es wie beim Griechen an der Ecke, wenn alle die Rhodos­platte wollen.

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Meine alte, zerbeulte Titanpfanne habe ich gegen eine neue aus Aluminium getauscht. Ein Fehler, wie sich herausstellt: Die Steaks kleben innerhalb von Sekunden am Boden fest. Ich muss sie entweder abreißen, oder warten, bis sie sich von allein lösen. In der Trangia HA brennt alles an. Außer Wasser vielleicht. Ich hätte sie vorher testen sollen. Nächstes Mal nehme ich wieder die alte Pfanne mit. Die Beulen sind unwichtig und die Beschichtung habe ich im Lauf der Jahre ohnehin fast aufgegessen.

Die Steaks sind mehr als bloß well done, als wir sie mit Heißhunger in uns hineinmampfen, aber mit genügend Sauce Bérnaise sind sie doch ganz ausgezeichnet. Auf Island wollte ich Lachs braten, aber in dieser Pfanne kann ich das vergessen. Beim Wenden würde es ein Gemetzel geben.

Das Schiff nach Island legt um halb zehn in Hirtshals an. Dann will ich schon am Hafen stehen und mir das Einlaufmanöver ansehen. Vor allem will ich mir die Biker ansehen, die von Bord rollen. Wie sehen die aus? Glücklich? Erschöpft? Gestresst? Und rollen die überhaupt? Oder schieben sie, oder werden getragen?

Lange vor Mitternacht falle ich in einen unruhigen Schlaf, während Pieps neben mir selig ins Kissen sabbert und vermutlich von wundervollen, riesigen Eisbergen träumt. Und von Schokosauce...

zum nächsten Tag...

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Morgen dürfen wir auf keinen Fall verschlafen. Also stellt euch den Wecker, wenn ihr mit an Bord wollt. Gute Nacht...


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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.