Inhaltsverzeichnis
Norwegen 2022
Tag 1 Kiel - Oslo
Tag 2 Oslo - Lillehammer
Tag 3 Peer Gynt Vegen
Tag 4 Jotunheimvegen
Tag 5 Slettefjellvegen
Tag 6 Slådals- u. Einunndalsvegen
Tag 7 Trontoppen u. Gammeldalen
Tag 8 Røros
Tag 9 Aursjøvegen
Tag 10 Trollstigen
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Aursjøvegen

Wir wollen gerade frühstücken, da fängt es an zu regnen. Aber macht nichts. Während kleine Tropfen zart aufs Zeltdach trommeln, verbrenne ich mir in aller Ruhe den Mund an der heißen Blechtasse. Es geht nichts über frischen Kaffee im Zelt.

Motorradtour nach Norwegen

Minuten später ist das Wetter fertig mit Regnen und ich breche das Lager ab. Dieser Moment, wenn man morgens den Motor startet, den ersten Gang des Tages einlegt und vom Camp auf die Route einbiegt, ist jedesmal wieder aufregend. Das hat sich in all den Jahren noch kein bisschen abgenutzt.

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Frilsjøen Camping liegt buchstäblich im Nirgendwo. Eine tief geschotterte Piste führt am See entlang zurück in die Zivilisation. Über uns strahlt blauer Himmel, der kurze Regenguss zum Frühstück ist längst vergessen.

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Nach all den grandiosen Dirt Roads der vergangenen Tage, liegt heute vielleicht der Höhepunkt der gesamten Reise vor uns, eine Fahrt über den Aursjøvegen, die ungekrönte Königin der Panoramastrecken und die spektakulärste Piste von allen.

Der Aursjøvegen beginnt 115 km von hier bei Sunndalsøra. Auf der Rv 65 sind die im Nu zu schaffen, aber für mich zählt jeder Meter Schotter und ich nehme so oft es geht die kleinere Fv 6150, die noch nicht überall asphaltiert ist.

Wir sehen kaum einen anderen Menschen bei der Fahrt durch die schöne norwegische Landschaft. Hier gibt es wenig, das Wohnmobile und Touristen wie Pieps und mich anlockt.

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Kurz nach Mittag kommen wir ganz unvermittelt in einen größeren Ort. Surnadal oder Skei liegt am Ufer der Surna. Vielleicht gibt es hier ein Mittagessen für uns.

Wir rollen auf den Parkplatz eines großen Supermarkts. Eine Tafel am Eingang verkündet: Kokkens Spiseri: daglig buffé fra kl. 12.00. Mittagsbuffet täglich ab 12 Uhr. Es ist 12 Uhr!

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Kokkens Spiseri residiert im 1. Stock über COOP und dem Schnapsladen. Erwartungsvoll fahren wir mit der Rolltreppe nach oben in die Kurzwaren­abteilung. Dort stehen Regale mit Wolle in allen Farben, ein Paradies für Pieps Tante Silvia, die ihr die schönen Pullis strickt.

Durch eine Glastür geht es in die Cafeteria. Hinter einem blitzblanken Tresen steht eine junge Frau und sieht uns freundlich entgegen.

„Hej hej. I'd like to share the Buffet, please.“
„Sorry. Buffet is only from Monday to Friday.“

Ich weiß nicht welcher Wochentag heute ist, aber offenkundig einer außerhalb der Buffetsaison. Später finde ich heraus, dass Samstag ist.

„Oh... Then I'd have Karbonadesmørbrød dobbel karbonade“, sage ich nach einem kurzem Blick auf die Tafel an der Wand.

Wenn ich mich nicht auskenne, nehme ich einfach das teuerste Gericht auf der Karte. Das kann nur das Beste sein. In Tschechien hat das prima funktioniert. Ohne ein Wort tschechisch zu verstehen, habe ich eine Riesenportion Schweinebraten mit Knödeln bestellt. In Frankreich weniger gut: Nachdem die Kellnerin zweimal nachgefragt hat, ob ich das wirklich essen möchte, servierte sie uns - nicht ohne Schadenfreude - gekochte Nieren.

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In Deutschland ist eine Karbonade ein Schweinekotelett. Wir sind also in froher Erwartung zweier gebratener Koteletts, Pieps und ich. Was kurze Zeit später vor uns auf dem Tisch steht, ist jedoch etwas völlig anderes. Erbsensuppe auf Toast, darauf zwei Frikadellen von mittlerem Wuchs und gebratene Zwiebeln.

Ich denke, wenn Pieps und ich jede zwei solcher Portionen essen, dürften wir mühelos satt werden. Und pleite. Für den Preis einer Portion hätte ich in Kiel beim Griechen die Gyrosplatte bestellt: „Und einmal extra Tsatsiki, bitte. Ja, ich weiß, dass die 4 € extra kostet.“

Es schmeckt trotzdem, obwohl Erbsensuppe auf Toast, das örkeslige Grüne, schon etwas gewöhnungsbedürftig ist. Um eine Erfahrung reicher starten wir kurz darauf wieder in Richtung Sunndalsøra. Von hier liegt es noch etwa eine Stunde und eine Fähre entfernt.

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Die Fjord1 von Kvanne fährt alle halbe Stunde über den Stangvikfjorden. Wir haben Glück: Als wir am Anleger ankommen, liegt das Schiff schon da und wir rollen ohne anzuhalten an Bord.

Eine Minute später legen wir schon ab. Jetzt warten wir auf den Mann, der die Fahrkarten verkauft. Üblicherweise geht er von Tür zu Tür mit einem umgehängten Münzer und kassiert den Fahrpreis. Ich habe immer extra ein paar kleine Schein parat. Wo bleibt der nur? Wir sind fast drüben.

Stattdessen geht ein junger Mann in einer Jacke der Fährge­sellschaft von Fahrzeug zu Fahrzeug und fotografiert die Kennzeichen mit dem Handy. Fahrkarten gibt es nicht mehr. Man bekommt einen QR Code und hat 48 h Zeit online zu bezahlen: „Träum weiter, Baby!“

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Mir wird allmählich klar, dass ich viel zu viele Kronen eingewechselt habe. Und dass ich allmählich alt werde.

25 Kilometer weiter rollen wir nach Sunndalsøra hinein. An diesen Ort habe ich die schönsten Erinnerungen. Bei unserem letzten Besuch auf dem Weg zum Nordkap, bin ich im strömenden Regen den Aursjøvegen herunter gekommen und habe hier endlich Benzin und ein gemütliches Café für Pieps und mich gefunden. Ob es noch da ist?

Die Automatentankstelle gegenüber vom Café erkenne ich sofort. Hier müssen wir unbedingt noch einmal volltanken bevor es auf die Piste geht, denn jetzt kommt lange nichts mehr. Der Motor der Honda gibt ein leises Ticken von sich, während ich das gute Super in den Tank gurgeln lasse.

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Café Spiskammerset ist noch dort, wo ich es in Erinnerung hatte, genau gegenüber den Zapfsäulen. Ich lasse die Enduro stehen und wandere hinüber. In meiner Erinnerung war es ein gemütlicher, aber ziemlich toter Laden mit mehr Personal als Kundschaft.

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Das hat sich geändert. Schon aus einiger Entfernung schallt mir Livemusik entgegen und die Schlange der Gäste steht bis auf den Bürgersteig. Als ich endlich im Café bin, stehen noch sieben andere vor mir. Es dauert. Jeder fratte moccachino, oder was auch immer, wird einzeln montiert. Aus dem verträumten Café ist ein angesagter Schuppen mit Livemusik geworden.

Im Raum nebenan spielt eine griechische Gesangskapelle traurig schöne Weisen. Der Sänger zieht ein Gesicht wie Pieps, wenns kein WLAN gibt. Es ist Samstagnachmittag und der Laden brummt. Ich bestelle einen Latte Macchiato. Sowas hab ich noch nie getrunken, aber ich will nicht altmodisch wirken und Filterkaffee trinken.

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Viel zu spät verlassen wir Sunndalsøra und fahren über die Drivabrua aus Sunndalsøra hinaus in die Berges. Es sind noch etwa 45 Kilometer bis zu unserem Zeltplatz oben auf dem Aursjøvegen.

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Die ersten Kilometer sind noch asphaltiert. Ein Schild am Straßenrand erlaubt 60 km/h und warnt vor Erdrutschen. In absoluter Premiumlaune fahre ich weiter bergan. Die Piste, die vor uns liegt ist die Königin der Adventure-Dirt-Roads in Norwegen. Obwohl es noch eine weitere gibt, aber die ist erst eine vage Idee und Stoff für eine andere Reise.

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Gleich danach erreichen wir die Bomstasjon. Beim letzten Besuch waren Motorräder noch kostenfrei, aber jetzt kosten auch wir 100 NOK Maut. Eine Tafel erklärt die verschiedenen Bezahlmöglichkeiten, ein hohler Stamm mit Briefumschlägen, wie im Gammeldalen ist nicht darunter.

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„Sollen sie mir 'ne Rechnung schicken!“ Ich lege den Gang ein und lasse die Kupplung kommen. Asphalt ist aus, ab jetzt gibts Schotter! Die Piste stellt keine besonderen Anforderungen an Motorrad, Reifen oder Fahrkönnen. Man kann in Ruhe die Landschaft genießen.

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Der Aursjøvegen wird jedes Jahr zum 1. Juni freigegeben, wenn der Schnee geräumt und die Winterschäden ausgebessert sind. Im Café habe ich erfahren, dass die Piste erst vorgestern, also eine Woche später als sonst freigegeben worden ist. Was ist da los? Schnee liegt hier nicht.

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Sunndalsøra liegt nur sechs Meter über dem Meeresspiegel, aber schon nach wenigen Kilometern auf dem Aursjøvegen zeigt das Garmin oben rechts im Display schon 700 Meter Höhe an.

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Einige Kehren in den Serpentinen sind für ein kurzes Stück asphaltiert. Wahrscheinlich wollten die Spaßbremsen vom Straßenbauamt so das Driften verhindern. Aber wir tuckern ohnehin nur vorsichtig bergan, alles andere wäre viel zu gefährlich.

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Der Titanauspuff der Honda trompetet mächtig zwischen den Felswänden. Voller Euphorie stürmen wir weiter bergan. Die Piste wird enger und ganz plötzlich finden wir uns zwischen Schneewänden wieder. Der Schneepflug hat hier erst vor wenigen Tagen ganze Arbeit geleistet.

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Es wird kalt und kälter, aber ich nehme das vor Aufregung kaum wahr. Welch eine irre Strecke! Voller Übermut lenke ich dicht an die Schneewand heran und lasse die Finger durch den Schnee schleifen. Aua! Die Wand ist kälter als erwartet und viel härter.

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Ein paar Kilometer weiter taucht ein düsteres Tunnelportal vor uns auf. Der Schnee reicht bis tief in den Tunnel hinein, der im Grunde bloß eine Höhle ist, durch die der Aursjøvegen hindurchführt. Fasziniert grollen wir durch das finstere Gewölbe.

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Ich liebe das! Sowas haben wir nicht in Schleswig-Holstein, bloß Küsten und zwei Meere, aber nichts mit Felsen. Deshalb reise ich so gerne in die Berge und selten ans Meer. Die Tour über den Großglockner in Österreich ist bis heute unvergessen.

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Zwischen Schneewänden geht es weiter nach oben. Ich fahre vorsichtig, weil man nie weiß, ob nicht was von vorne kommt. Die Piste zeigt noch immer keine Schwierigkeit. Trotzdem bin ich hellwach und aufmerksam. Was immer man hier oben versemmelt: Man tut es allein.

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Die Schneewände werden höher und die Piste schmaler. Bis jetzt hatten wir noch keinen Gegenverkehr. Der blaue Himmel liegt hinter uns. Voraus ziehen dunkle Wolken auf. Wenn nicht schon Mitte Juni wäre, würde ich sie für Schneewolken halten.

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In den Schneemassen neben der Piste hat sich ein Bach gerade erst von Schnee und Eis befreit. Das dunkle Wasser gurgelt ein Stück unter freiem Himmel und verschwindet dann wieder unter dem Schnee.

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Immer wieder halte ich kurz an und bestaune die verzauberte Eiswelt. Die Piste erreicht einen Stausee. Ich fahre bis ans Ufer heran und bleibe stehen. Der See ist komplett zugefroren, in seiner Mitte blankes Eis. Ein Vogel fliegt hoch und flüchtet. Unglaublich, dass hier oben etwas lebt.

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Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu dem Platz, wo ich zelten möchte, eine Stelle ganz oben am Aursjøvegen, wo ich schon einmal übernachtet habe. Dort haben sie einen Müllcontainer, ein Shelter und sogar ein Plumpsklo in die Landschaft gestellt.

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Ich erkenne die Stelle sofort wieder, oder besser gesagt, ich erkenne den Müllcontainer wieder, denn der ragt als einziges noch aus dem Schnee.

Ich lasse die Honda stehen und stapfe zu Fuß zu der Stelle, wo ich zelten wollte. Der Boden ist zum Zelten völlig ungeeignet. Es ist schlicht zu warm. Der Schnee ist eine nasse Pampe und selbst da, wo er schon weggetaut ist, gleicht der Boden einem matschig nassen Schwamm.

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Bei meinem letzten Besuch war ich eine Woche früher und es war alles trocken. Gab es in diesem Jahr so viel mehr Schnee? Keine Ahnung, aber der Tag läuft mir allmählich weg. Wir brauchen dringend einen Schlafplatz, Pieps und ich.

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Ab jetzt muss ich nach Gehör spielen. Etwa zwölf Kilometer von hier gibt es eine Berghütte des norwegischen Wandervereins, Aursjøhytta. Vielleicht kommen wir da unter.

Der Himmel zieht sich mehr und mehr zu und als endlich ein Schild Aursjøhytta | Selvbetjent | 200 m vor uns auftaucht, bin ich erleichtert.
Ein Bett wie auf dem Schild, so eines wollen wir.

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Ich lenke die Honda auf den Parkplatz vor der Hütte und sehe mich um. Schon von außen sieht Aursjøhytta gemütlich aus. Ein festes Dach ist in Ordnung und vielleicht kann ich unseren Lachs dort in der Küche braten.

Die Tür ist verschlossen und alle Fenster sind dunkel. Ich drücke die Nase am Fenster der Eingangstür platt und sehe hinein. Alles verlassen, da ist keine Mensch. Mist!

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Für meine Reisen bin ich extra in den Deutschen Jugendherbergsverband eingetreten, auch wenn ich noch nie in einer geschlafen habe. „Sicher ist sicher“, dachte ich, aber Pustekuchen. Die Hütten des norwegischen Wandervereins DNT mit dem Zusatz selvbetjent, Selbstbedienung, sind nur mit einem Universalschlüssel zu öffnen, den man bekommt, wenn man Mitglied im DNT wird. Bin ich aber nicht.

Dann weiter zu Plan C. Plan A war eingeschneit und für Plan B fehlt mir ein Schlüssel. Plan C ist der Campingplatz am Eingang zum Eikesdalen, etwa 30 km von hier. Ich sattele die Enduro und heize los. Der Aursjøvegen ist noch lange nicht am Ende.

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Es muss ein irrer Schneewinter gewesen sein, denn noch immer geht es kilometerlang zwischen Schneewänden hindurch. Hoffentlich kommt jetzt keiner von vorne.

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Nach vielen weiteren Kilometern durch Schnee und Eis ist in der Ferne das erste Mal der Blick frei hinunter aufs Eikesdalen. Irgendwo dort unten liegt die zweite Bomstasjon. Dort endet der Aursjøvegen.

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Die Bomstasjon liegt nur knapp über Meereshöhe und wir sind noch immer auf 950 m Höhe. In Serpentinen geht es durch immer neue Kehren nach unten ins Tal.

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In einer Kehre steht ein Gedenkstein mit vielen Namen darauf. Sind es die Bauarbeiter, die am Aursjøvegen mitgearbeitet haben? Ich weiß es nicht und bin auch zu ungeduldig, um näher nachzuforschen. Kaum dass ich angehalten habe, lege ich schon wieder den Gang ein und fahre weiter.

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Ein Highlight des Aursjøvegen liegt noch vor uns, ein Tunnel mit 360° Kehre. Unbeleuchtet, unbehauen, hartes Gefälle oder Steigung, derber Naturboden und hoffentlich, hoffentlich kein Gegenverkehr.

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Nach dem gleißenden Schnee fahre ich die ersten Meter fast blind ins Dunkel hinein. Ich halte an und bleibe ein paar Sekunden stehen, bis die Augen sich etwas umgewöhnt haben. Meine Güte, ist das schwarz hier.

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Selbst mit dem hellen LED Fernlicht aus beiden Scheinwerfern ist nicht viel zu erkennen. Die blaue Fernlichtleuchte strahlt unnatürlich hell. Nur schemenhaft sind die Tunnelwände zu erkennen. Vorsicht, die 360° Kehre zieht sich eng zu und ich erkenne sie erst, als die Tunnelwände näher­rücken und ich gegenlenken muss, um nicht mit dem Lenker an der Wand zu kratzen.

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Der Sound im Tunnel ist überwältigend. In der engen Höhle trompetet die Enduro, dass es eine Freude ist und hoffentlich auch jeden Gegenverkehr rechtzeitig warnen wird.

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Ich blinzele ins grelle Tageslicht, als wir drüben wieder aus dem Tunnel herauskommen. Unter uns liegt Eikesdalen. Die Piste ist an den Rändern in keinem guten Zustand und wird irgendwann abrutschen, aber das habe ich schon vor neun Jahren gedacht, als ich mit Greeny in entgegenge­setzter Richtung unterwegs war.

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Vier Kilometer und eine Kehre weiter endet der Aursjøvegen und geht über in den Eikesdalsvegen. Hier ist die zweite Bomstasjon. Ich sehe mir noch einmal die Tafel an, auf der sämtliche Sehenswürdigkeiten entlang der Piste verzeichnet sind, der Zeltplatz, die Hütte, der Aussichtspunkt.

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Die Strecke durchs Eikesdalen führt über eine schmale Teerstraße durch ein liebliches Tal. Einige Bauernhöfe, eine Kirche, viele Wiesen.

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Der Fylkesvei 6012 führt über viele Kilometer am Eikesdalsvatnet entlang. Ich könnte die Fahrt mehr genießen, wenn es nicht schon spät wäre und Pieps nicht allmählich quengelig würde: „Nur wann gib's enklich Ahmbrot mit unsern Lax?“

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Die Fv 6012 wird immer wieder von Tunneln unterbrochen. Ich mag das warme Licht in den kalten Röhren.

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Der Campingplatz im Eikesdalen ist leider ein Reinfall. Dort findet an diesem Wochenende ein Folkfestival statt. Eine große Bühne, Tourbusse und jede Menge Festivalbesucher belegen jeden Quadratmeter. Ohne anzuhalten fahre ich weiter.

Mein Plan ist es, solange weiter zu fahren, bis wir irgendwo einen Zeltplatz finden. Nach insgesamt 244 Tageskilometern endlich das erlösende Schild: VISTDAL-CAMPING 200m. Da bleiben wir, egal wie der ist.

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Tatsächlich ist Vistdal-Camping ganz prima. Er liegt zwar dicht an der Straße, aber die ist nicht stark befahren. Dafür bietet der Platz feinstes Gras für unser Zelt, einen geheizten Waschraum und einen überaus gastfreundlichen Campingwart.

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An diesem Abend feiern wir den Lachs noch mehr als sonst, Pieps und ich. Der Fisch ist fett und saftig mit einer wunderbaren Knusperhaut.


Aursjøvegen

Der Aursjøvegen ist insgesamt 121 km lang, davon 58 km mautpflichtige Schotterstrecke zwischen zwei Bomstasjonen. Die Piste wird üblicherweise am 1. Juni geöffnet und bleibt bis zum ersten Schneefall im Oktober, November geöffnet.

Fahrerisch stellt sie keine besonderen Anforderungen. Man sollte nur schon einmal Schotter gefahren sein, keine Angst vor Serpentinen haben und nicht unter Tunnelangst leiden.

Landschaftlich ist der Aursjøvgen eine der sagenhaftesten Panorama­strecken Norwegens. Heute bin ich von Sunndalsøra aus zum Eikesdalen gefahren. Schöner finde ich aber die entgegengesetzte Richtung von Eikesdalen aus. Man fährt den 360° Tunnel bergauf. Die Ankunft in Sunndalsøra mit Tankstelle und Café ist der krönende Abschluss der Piste.

Sehr empfehlen kann ich, den Aursjø in zwei Etappen zu fahren und oben auf dem freien Zeltplatz zu übernachten, auch wenn das in diesem Jahr nicht geklappt hat. Die Aursjøhytta des norwegischen Wandervereins DNT ist leider nur für Mitglieder nutzbar, die über einen Schlüssel verfügen.

Aursjøvegen als gpx Track zum Download





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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.