Inhaltsverzeichnis Frankreich 2025 Tag 1-3 Kiel - Wingen-sur-Moder (F) Tag 4 Wingen-sur-Moder - Bannes Tag 5-6 Hautoreille - Le Paroy Tag 7-8 Morvan - Auvergne Tag 9 Gorges de la Dordogne Tag 10 Gorges de la Dordogne II Tag 11 In den Gärten von Limeuil Tag 12 Lotmündung in die Garonne Tag 13 Vallée du Lot Tag 14 Saint-Côme-d'Olt
Nach Saint-Côme-d’Olt
Am Boden des ersten Kaffeebechers brechen wir auf.
Für einen zweiten ist es schon jetzt zu heiß, zumindest für mich als Kielerin.
Vom Camp geht es auf die D8. Die einstellige Zahl lässt eine Hauptstraße erwarten, aber tatsächlich ist es nur ein besserer Single Track ohne jede Markierung.
Eine schönere Strecke zum Motorradwandern kann man sich kaum wünschen, wo sich Kurve an Kurve reiht, eng, schmal, Felswand rechts, Flusstal links. Jedes PS mehr als die 21 der GB350S wären blanke Verschwendung, denn alles jenseits von 70 km/h fühlt sich hier nach Kamikaze im Endspiel an.
So hatte ich mir unsere Flussreise am Lot erhofft.
Motoreisen an Flüssen sind mitunter enttäuschend, weil man das Wasser selten zu sehen kriegt oder es schnelle Hauptstrecken sind mit viel Verkehr und wenig Genuss. An der Loire und erst recht am Rhein habe ich das so empfunden.
Stattdessen geht es nah am Ufer des Lot entlang mit einer hübschen Sicht auf den Fluss. Dazu wenig Verkehr und keinerlei Industrie. So soll das!
Das ist es, was ich an Südfrankreich so mag, neben dem schönen Wetter:
Die vielen alten Dörfer und Kleinstädte in malerischer Umgebung, nette Menschen, gutes Essen und sonst nicht viel.
Abgesehen vom Tourismus ist hier buchstäblich der Tote Hund begraben.
Die erste Stunde seit Camp Chill-Lot haben wir bloß 21 km zurückgelegt und Gang Nummer 5 wundert sich, dass er noch kein einziges Mal eingelegt wurde.
Die meiste Zeit rollt die Honda im Dritten dahin.
Meine Güte, wie ich es liebe, auf diese Weise mit Motorrad, Zelt und Bratpfanne unterwegs zu sein.
Ein Thema bei Flussreisen sind immer auch Brücken & Fähren.
Für Fähren ist der Lot zu klein, aber malerische Brücken gibt es jede Menge.
Hier kommt schon die nächste: Die Brücke von Cajarc.
Sie markiert zugleich die Grenze zwischen den beiden Départements Lot und Aveyron.
Drüben liegt Aveyron.
Aufmerksam rolle ich durch Cajarc.
Die kleine Gemeinde liegt auf dem Jakobsweg und hat zwei Pilgerherbergen, einen Campingplatz und sogar eine Metzgerei.
Neben dem Eingang der Boucherie, wie Metzgereien in Frankreich heißen, steht ein Grill.
Darin drehen sich Grillhähnchen in verschiedenen Stadien der Knusprigkeit.
Ein Stück weiter bietet sich plötzlich ein prima Panoramablick ins Tal des Lot.
Ich bleibe am Straßenrand stehen und mache ein Foto. Das ist bisher der schönste Aussichtspunkt in das Vallée du Lot.
Vom Aussichtspunkt führt die Straße wieder hinunter an den Fluss.
Hier wird der Lot durch ein Wehr gebremst.
Für Boote ist hier Schluss, aber es gibt einen schmalen Schleusenkanal, der um das Wehr herum führt.
In Entraygues-sur-Truyère erreichen wir eine wichtige Weiche unserer Reise: Den Zusammenfluss von Lot und Truyere. Die Truyere mündet hier als rechter Nebenfluss in den Lot.
Hierher werden wir in ein paar Tagen zurückkommen, wenn wir der Truyere von ihrer Quelle bis zur Mündung folgen. Aber zuerst geht es weiter den Lot hinauf in Richtung seiner Quelle.
Der Fluss wird allmählich etwas fadenscheinig und erscheint eher wie ein breiter Gebirgsbach als ein voll ausgestatteter Fluss.
Zugleich wird er mit jedem Kilometer schöner.
Das Tagesziel heißt Saint-Côme-d’Olt. Der Ort gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs, und tatsächlich ist schon der erste Anblick sensationell.
Man würde sich kaum wundern, wenn plötzlich
d’Artagnan mit seinen drei Freunden Athos, Porthos und Aramis über die Brücke reiten würden.
In Saint-Côme-d’Olt gibt es auch einen Campingplatz.
Camping Belle Rive liegt direkt am Ufer des Lot unterhalb einer malerischen Brücke.
Wir haben keine Reservierung, aber außerhalb der Hauptsaison im Juli und August bekommt man mit Moto und Zelt im Grunde immer einen Platz.
Die ältere Dame in der Rezeption - sie mag Anfang 50 sein und damit 10 Jahre jünger als ich - spricht auch Englisch. Jeder ab 50 kommt mir als ältere Dame, Herr oder Pärchen vor. Mich selbst dagegen empfinde ich noch immer als spätpubertär. Das müsste man im Grunde auch mal untersuchen lassen.
Es ist ein schwüler, heißer Tag und ich habe den rettenden Einfall, gleich nach einem Schattenplatz zu fragen, anstatt selbst eine Viertelstunde über den Platz zu schwitzen auf der Suche danach.
Die Dame empfiehlt mir zielsicher Platz Nummer 52. Der liegt im Schatten.
Immer.
Für Südlinge ist es jedesmal etwas verblüffend, wenn man einen Schattenplatz will, aber ich geh kaputt in der Sonne. Lieber sitze ich im Schatten und gucke raus.
Parzelle 52 liegt im Schatten einer mächtigen, wirklich mächtigen alten Linde.
Ein wahrer Premiumplatz für das Zelt, die Honda, Pieps und mich.
Wir haben den ganzen Tag im Grunde nichts gegessen und nur wenig getrunken. Ich erinnere mich, dass sie in der Rezeption zwei Kühlschränke haben, einen für Eis und einen für Getränke.
Für Pieps gibt es ein Eis und für mich eine Flasche Rosé.
Ich habe sie kaum ins Freie getragen, als sich schon erste Tropfen Kondenswasser an der Flasche bilden und den Inhalt noch verführerischer schimmern lassen.
Und weil man bei Svendura und Pieps ja auch immer etwas lernen kann, lernt ihr heute das:
Es ist keine gute Idee, in südlicher Hitze eine Flasche kühlen Rosé auf nüchternen Magen in einen durstigen Körper zu gießen.
Nicht einmal dann, wenn man es sehr schnell tut.
Den Rest des Nachmittags verschlafe ich mehr oder weniger, bis Pieps ungnädig wird, weil wir allmählich wirklich etwas essen müssen. Heute gibt es Käse, Baguette und geräucherte Entenbrust, die nach dem langen Tag in der Sonne bereits ordentlich Fett ausschwitzt.
Das war ein super Reisetag. Die Flussreise am Lot vom Camp Chill-Lot bis nach Saint-Côme-d’Olt hat heute richtig Spaß gemacht. Die lohnt sich. Morgen werden wir uns das Dorf ansehen und ein paar Bilder machen.
„Bis Morgen, Leute!“