Inhaltsverzeichnis
Frankreich 2025
Tag 1-3 Kiel - Wingen-sur-Moder (F)
Tag 4 Wingen-sur-Moder - Bannes
Tag 5-6 Hautoreille - Le Paroy
Tag 7-8 Morvan - Auvergne
Tag 9 Gorges de la Dordogne
Tag 10 Gorges de la Dordogne II
Tag 11 In den Gärten von Limeuil
Tag 12 Lotmündung in die Garonne
Tag 13 Vallée du Lot
Tag 14 Am Lot bis Saint-Côme-d'Olt
Tag 15 Saint-Côme-d'Olt
Tag 16 Die Quelle des Lot
Tag 17/18 Gorges de la Truyère
Tag 19 Gorges de la Truyère II
Tag 20 Zurück in der Auvergne
Tag 21 Auvergne - Camp Le Paroy
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Motorradreisen mit Zelt und Schlafsack

Die Schluchten der Truyère

Auf jeder Reise gibt es diesen einen Tag, an dem man sich fragt: „Was zum Geier tue ich hier eigentlich?“ Heute ist so einer. Es ist kalt in Südfrankreich und die ganze Welt erscheint Grau in Grau. Kurzum: Ich hab miese Laune. Dabei ist im Grunde alles ok: Die Honda läuft bestens, die Reisekasse ist noch gut gefüllt, ich bin gesund – und dennoch …

Straßeneinmündung in Frankreich mit Wegweiser

An Tagen wie diesen rettet mich meine akribische Reiseplanung. „Stick to the Plan!“, sage ich mir, bleib bei deinem Plan. Sonst würde ich vielleicht aus mieser Laune heraus etwas Dummes tun, schnellere Straßen nehmen, die Reise abkürzen, etwas auslassen, nach Hause fahren.

Irgendwann habe ich bemerkt, dass es früher oder später zwangsläufig wieder besser werden wird – Wetter und Laune – und wie sehr man sich dann freut, wenn man genau dort ist, wo man laut Plan auch sein sollte.

Brücke Pont de Treboul

Und so geschieht es, dass ich heute Morgen nur "meinen Plan abarbeite", anstatt die schöne Motorradreise durch Südfrankreich zu genießen. In solchen Momenten denke ich an meinen Freund, Herrn Owusu, den ich mir genau für solche Situationen ausgedacht habe.

Herr Owusu stammt aus Burundi, wo immer die Sonne scheint und die Menschen keine Sorgen haben. Er würde sofort verstehen, wie schlecht es mir geht und findet auch immer die passenden Worte:

„Arme Svenja. Muss mit ihrer nagelneuen Honda durch Südfrankreich reisen. Armes, reiches Mädchen …“

„Blödmann!“, denke ich, „veräppeln kann ich mich auch alleine.“

Schilder an einem Brückenpfeiler

Staumauer von oben

Frankreich, Blick in die Landschaft

Beim Gedanken an den ollen Owusu hebt sich meine Laune wieder. Und natürlich beim Anblick der Boulangerie in Argences en Aubrac. Es wird höchste Zeit für … irgendwas mit Kaffee.

Verkaufsraum einer Boulangerie in Frankreich

Pieps sitzt vor einem Stück Cremegebäck

Nach einer etwas freudlosen Kaffeepause, weil es schlicht zu kalt war, um genüsslich draußen Kaffee zu … „arme Svenja“

„Sei du bloß still!“, fahren wir weiter.

Eine alte verlassene Renault Werkstatt

Einige Abschnitte entlang der Truyère sind derart schmal und die Geraden zwischen den Kurven so kurz, dass man extrem aufmerksam fahren muss. Wenn es nicht so kalt wäre, würde ich schwitzen, nicht aus Furcht vor den Kehren – wer hier zu schnell fährt, hat sowieso einen am Dach – sondern dass einer völlig gedankenlos mit Karacho von vorne kommt, „wegen hier ja sowieso nie einer fährt.“

Motorrad auf einer einspurigen Strecke im Wald

Tatsächlich brauchen wir über drei Stunden für 100 Kilometer, kaum dass ich je in den dritten Gang hochgeschaltet hätte. Die gesamte Strecke über kommt uns nur eine Handvoll Autos entgegen.

In Vic-sur-Cère, dem Ort, wo wir heute übernachten wollen, halte ich bei InterMarché Super und kaufe für uns ein. Es gibt Steaks zum Abendessen, auch wenn gewisse andere Leute lieber Spaghetti möchten.

Svenja und Pieps streiten im Supermarkt Intermarché

Drei Kilometer später lasse ich die GB350S im Camp La Pommeraie vor der Rezeption ausrollen. Für den Augenblick habe ich die Nase voll vom Zelten. Ich will ein Chalet.

Am Empfang sitzt eine nette Dame, die mich an meine Tante Gitti erinnert, eine warme, weiche Frau mit freundlichem Herzen. Solche mag ich sehr. Ich pule meine Sprachkärtchen aus der Endurojacke und sage den ersten Satz auf: „Excusez-moi, je ne parle pas français“, Verzeihung, ich spreche kein Französisch.

Man sagt Franzosen allgemein nach, recht humorlos zu sein, was fehlende Sprach­kenntnisse anbelangt, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nur ein paar Worte auf Französisch radebrechen muss, um das Eis zu brechen. Dafür habe ich mir Spickzettel geschrieben, auf denen die wichtigsten Sätze stehen, die jeden Tag wieder vorkommen.

Darunter Klassiker wie , „Je voudrais camping, s'il vous plait“, ich möchte bitte campen, aber auch: „Une grosse entrecôte, s'il vous plaît“, ein großes Entrecôte, bitte, oder auch wo die nächste Tankstelle ist.

Meine französische Tante Gitti ist begeistert von den Kärtchen und zeigt mir, wo Google Translate gepatzt hat. Sie fragt, ob sie den Text korrigieren dürfe – oh ja, bitte – und holt eine original Flasche Tipp-Ex hervor. Ich bin beeindruckt, besonders, dass das Tipp-Ex noch flüssig ist.

Tatsächlich ist noch ein Chalet für die Nacht frei, ob ich mir das einmal ansehen wolle? Sehr gerne.

Ich stiefele hinüber zu den Chalets, da kommt urplötzlich die Sonne durch. Im selben Moment bemerke ich die Heckenseparees für Camper und breche die Besichtigung ab: Wir zelten!

Seit dem Unwetter in St-Côme-d'Olt habe ich den Zeltbeutel nicht geöffnet und unser Schlafzimmer ist noch so, wie ich es reingestopft habe, aber das macht nichts, solange in der Bodenwanne keine Kaulquappen schwimmen, ist alles halb so schlimm. In spätestens einer Stunde haben wir unser vertrautes, trockenes Bett wieder.

Nasses Zelt liegt zerknüllt im Gras

Ich sage das Chalet ab und buche um auf Zeltcamping. Inzwischen ist Gitti auf dem Sprachkärtchen über den einen Satz gestolpert: „Et une souris“, und eine Maus.

„And a Mouse...?“
„Oui. Mademoiselle Pieps.“

Sowie das Zelt steht und alle Leinen straff gespannt sind, trocknet der hauchdünne Stoff im Nu. Es braucht bloß ein wenig Wind, Sonne und Zeit, bis alles wieder schön trocken ist.

Motorrad neben einem Zelt von oben gesehen

Drei Steaks in der Campingpfanne und Pieps sitzt davor

Das nette Gespräch mit Tante Gitti, das schöne Heckenseparee für unser Zelt und die guten Steaks drehen diesen Reisetag, der so trübe begonnen hat, doch noch von doof zu ganz prima!

Morgen düsen wir weiter, aber dann von Anfang an in bester Laune!



zum nächsten Tag...

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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple Mac Mini with Panic Nova and Photoshop Elements.